Ausbildung annehmen?

Hallo,

ich werde 22 und habe noch keine Ausbildung. Nach der Hauptschule kam die Wirtschaftsschule und das FSJ und seitdem nichts außer einer im letzten Jahr angefangenen Ausbildung zur Erzieherin die ich aufgrund von querelen mit den Kollegen und der Berufsschule abgebrochen habe.

Seit fast 10 Monaten sitze ich im Bfz fest, habe den Stempel und Bfz mit dem Zusatz Arbeitsamt auf der Stirn habe mich in Richtund Büro und Handwerk beworben, vom bfz 10 Monate lang keinerlei Hilfe in der Ausbildungsstellensuche erhalten und stehte nun Ende Juli so da, dass ich keine Ausbildungsstelle habe.

So nun habe ich Vorletzte Woche überraschend die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in einem Immobilienbüro als Bürokauffrau erhalten. Das Gespräch verlief positiv und letzten Dienstag habe ich dort zur Probe gearbeitet. Am Abend war der Chef des Büros sehr überzeugt von meiner Arbeitsweise usw. und hat mir gesagt ich bekomme am Donnerstag nachdem ein zweiter zur Probe gearbeitet hat bescheid.

Heute kam der Bescheid per Telefon, dass ich die Lehrstelle haben könnte wenn ich sie denn wolle. Nächste Woche soll ich mal eine ganze Woche Probe arbeiten um zu sehen ob mir der Beruf zu 100% liegt.

Soweit alles klar.
Leider sagt mir das Handwerk unendlich mehr zu als die Arbeit vor dem Computer in einem Büro. Zudem lassen meine Noten von der Wirtschaftsschule (Kaufmännischer Zweig) sehr zu wünschen übrig und da ich in meiner Ausbildung wieder mit Buchaltung zu tun haben werde was ich in der WS gar nicht konnte (Note 5 im Abschlusszeugnis) habe ich nun Angst in der Ausbildung in der Buchhaltung zu versagen und aus diesem Grund wieder gekündigt zu werden.

Soll ich nun diese Ausbildungsstelle annehmen oder jemandem anderen die Chance geben. Meine Mutter wäre auf der anderen Seite unendlich entäuscht von mir wenn ich diese Stelle nun nicht annehmen würde.

könnt ihr mir bei der entscheidungsfindung helfen?

grüße
mia




Re: Ausbildung annehmen?

Liebe Mia,

ich kann dir hier aus der Distanz leider keine Ausbildungsberatung geben.

Klar ist aber, dass ein Ausbildungsplatz besser als "nichts" ist. Das gilt sowohl für deine finanzielle Situation, als auch für deinen Lebenslauf.
So gesehen würde ich dir erst einmal dazu raten, die Herausforderung anzunehmen und zu sehen, ob dir die Ausbildung nicht vielleicht doch Spaß macht.

Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: www.bibb.de/de/26171.htm). Schau da doch einfach mal rein - vielleicht ist die Ausbildung zur Bürokauffrau ja viel interessanter, als du bislang dachtest.

Was deine Angst vor dem Buchhaltungsbereich angeht, könntest du in deiner Berufsschule oder bei der Agentur für Arbeit nachfragen, ob es für deinen Beruf „Ausbildungsbegleitende Hilfen“ (abH) gibt: Das ist kostenlose Nachhilfe für Azubis.

Sollte dir die Ausbildung tatsächlich nicht so viel Spaß machen, kannst du dich parallel zur Ausbildung immer noch in Handwerksbetrieben bewerben. Deine Bewerbungschancen wären dann vermutlich viel besser, weil Arbeitgeber es einfach gerne sehen, wenn dein Bewerber im Berufsleben steht.
In die Bewerbung kannst du dann ja reinschreiben, dass du diese Ausbildung gerne abbrechen und einen anderen Beruf erlernen möchtest, weil eine Tätigkeit im Büro nicht das Richtige für dich ist und du dich in deinem Beruf stärker körperlich betätigen möchtest.

Wenn du dann einen Ausbildungsplatz im handwerklichen Bereich gefunden hast, kannst du ganz einfach mittels einer ordentlichen Kündigung mit 4 Wochen Frist kündigen, denn jeder hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung.
Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen und wünsche dir alles Gute!

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüsse,
Dr. Azubi

P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!