Ausgenutzt

Hallo,

ich habe folgendes Problem, ich mach eine Ausbildung zum Bäcker, bei uns ist es üblich, dass man im 2. Lehrjahr für ein Jahr in die Konditorei muss, was ich Persönlich nicht weiter schlimm finde, denn man lernt so über den Beruf des Bäckers hinaus. Nun aber kommt der Haken, ich bin jetzt fast 2 Monate da und bin schon am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die Konditormeisterin brüllt mich den ganzen Tag an (je nach Laune), beleidigt mich bis unter die Gürtellinie und im allgemeinen versteh ich unter Teamplay was anderes, dort wird nur mit reinem Konkurenz denken gearbeitet...um mal ein Beispiel zu nennen, hat mir ein anderer Auszubildener mal geholfen, weil ich mit einer Sache zeitlich im Verzug war, da meint meine Meisterin "Lass den das doch alleine machen" und wenn ich mal eine Ausbildungspeziefische Frage stelee, werd sich im nachhinein darüber Lustig gemacht. Desweiteren bin ich nur da um den Konditoren auf Deutsch gesagt den Ar**** nach zu tragen. Ich hab einen Festen Zeitplan, den ich bei der Herstellung der Produkte einhalten muss, doch ich komm selten dazu das alles in der Vorgegebenen Zeit zu scahffen, da ich ständig für die anderen hin und her laufen muss. Und was mich am meisten nervt ist, dass ich eine 40 Stunden Arbeitswoche hab, die mittelrweile (ohne Pausen) nicht mehr schaffe, da ich fast jeden Tag bis 13:30 Uhr damit beschäftigt bin die Konditorei zu Putzen, weil sich keiner dafür verantwortlich fühlt. Meine Arbeitszeit ist (mit Pause) von 4 - 12:30 Uhr, da ich die Pause aber nicht mehr nehmen soll und ich immer bis 13:30 Uhr arbeiten (Putzen) muss, weiß ich bald nichtmehr weiter. Durch dieses Ständige hin und her gehetze und das andauernde angebrülle bin ich ziemlich fertig mit den Nerven. Ich bin schon am überlegen ob ich nicht evtl den Betrieb wechsele. Gestern hab ich von einem Gesellen erfahren, dass das was ich jetzt schon machen muss (und es ist wirklich 'ne Menge) noch lange nicht alles ist zudem muss ich auch ständig die Spülmaschine ein und aus räumen, weil das sonst auch keiner macht. Ich muss alles vorbereiten, damit die Konditoren pünktlich nachhause kommen, wirklich gerecht ist das nicht. Genauso ein Beispiel, letzte Woche Freitag meinte die Chefin zu dem einen Konditor er möchte bitte das Kühlhaus nochmal etwas auf Vordermann bringen, kaum war sie weg, hat er mir gesagt, dass die Chefin meinte ich soll das Kühlhaus machen (is ja nich so als hätt ich direkt daneben gesatanden als sie das zu ihm sagte), dann ist er sich umziehen und nachhause gegangen. Ich bin der Meinung mal gelesen zu haben, das Putzen nicht Teil meiner Aufgabe ist, klar muss man seinen Arbeitsplatz (und nicht den der anderen) sauber halten und auch mal so aufräumarbeiten machen...wogegen ich auch nix habe, aber jeden Tag 1:30 std länger bleiben nur um zu putzen, ich mach 'ne Ausbildung zum Bäcker und nicht zum Putzmann.

Nun meine Frage, was kann ichtun um da wieder weg zu kommen (will wieder in die Bäckerei), ich weiß nich ob die Konditorei wirklich teil eines Aubsildungsplanes ist, zumal ich davon noch keinen gesehen hab, zur Chefin gehen ist auch keine Alternative, weil ich dann wieder von der Konditormeisterin als Dumm hin gestellt werde, wär' nich das erste mal...ich hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen, ich liebe diesen Beruf, aber unter den gegebenen Umständen bin ich mittlerweile soweit zu sagen ich kann und will nicht mehr. Was kann ich tun ? Muss ich mir das gefallen lassen ? Und kann ich einfach mal "Nein" zum Putzen sagen ?

Schonmal vielen Dank im Vorraus...Mfg Christoph




Re: Ausgenutzt

Lieber Christoph,

ich kann gut verstehen, dass du unter diesen Umständen die Freude an deinem Ausbildungsberuf verlierst!

Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und –rahmenpläne findest du im Netz unter: http://www.ihk-koeln.de/Navigation/AusUndWeiterbildung/Ausbildungsvertrag/Ausbildungsordnungen/index.jsp?zweigstelle=). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Wenn dem nicht so ist, solltest du ihn möglichst bald von deinem Betrieb geltend machen.

Dein Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind verboten. Regelmäßiges Putzen gehört in jeden Fall auch dazu! Übrigens dienen aber auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Wenn die ausbildungsfremden Tätigkeiten Überhand nehmen, solltest du dich wehren, denn dann ist das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet. Wende dich umgehend an deine Gewerkschaft! Hier ist ein Kontakt für dich:

NGG Region Köln, Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, Tel.: 0221 / 951 42 40, Fax: 0221 / 95 14 24 20, Mail: region.koeln@ngg.net, Homepage: www.ngg-koeln.de.

Da kannst du einfach anrufen und nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

Übrigens muss (!) deine Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein, bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst also nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz).

Wenn du dich gegen die Missstände in deinem Betrieb wehren möchtest, kommst du ums reden leider nicht drumrum. Ich halte es für sehr wichtig, dass du deine Chefin um ein Gespräch bittest und mit ihr über deine Probleme sprichst. Sollte es bei euch einen Betriebsrat geben, wäre es sicher empfehlenswert, ein Mitglied mit zu dem Gespräch zu nehmen. Es ist wichtig, dass deine Chefin um deine Probleme weiß, denn sonst kann sie nichts daran ändern. Du solltest ihr also ganz ruhig und sachlich darlegen, dass du kein Problem damit hast, deinen Arbeitsplatz rein und sauber zu halten, dass aber regelmäßiges Putzen im gesamten Betrieb nicht zu deinen Aufgaben als Azubi gehört. Außerdem könntest du deinen Ausbildungsramenplan ausdrucken und ihr anhand dessen aufzeigen, was du noch alles lernen musst. Wenn du ihr ganz ruhig, aber klar und deutlich sagst, was dir Sorgen bereitet, verschaffst du dir Respekt.

Wenn du allerdings glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb auch durch Gespräche mit deiner Chefin nicht verbessern wird, überlege dir, ob nicht vielleicht ein Ausbildungsplatzwechsel die richtige Lösung für dich wäre, um nicht vollends die Freude an deinem Beruf zu verlieren.

Lass den Kopf nicht hängen! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüsse, Dr. Azubi P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!



Re: Ausgenutzt

es war einfach alles zuviel. Im moment bin ich zu besuch bei meinen Eltern da ich nach monate langen ausnutzen einfach nicht mehr konnte und zusammen gebrochen bin . ich bin nun im zweiten lehrjahr habe mir alles selber beibringen müssen weil niemand in meinem betrieb sich um mich azubi kümmert wenn ich dann eine frage habe bekomme ich als antwort" hab jetzt keine lust dir das zu erklären" zum glück lernt man in der schule auch einiges sonst hätte ich ein echtes problem. am 1 august haben zwei azubis neu angefangen die ich einlernen sollte... es ist wahnsinnig anstrengend wenn man die ganze zeit alles kontollieren oder selber machen muss und alles erklären und zeigen soll. vor allem ich hatte niemanden der mich eingelernt hat . Ich mein ich bin jetzt grade mal im 2 lehrjahr und soll anderen etwas beibringen !? Ich mein dafür sind doch die ausbilder da. Des weiteren bin ich immer noch am gleichen posten wie zu der zeit als ich meine Ausbildung angefangen habe ... am Getränkebuffet ich mein schön und gut aber das 13 monate am stück ich mein gehts noch??!! Ich stelle mich echt nicht dumm an und habe viel drauf und lerne sehr schnell und bin flexibel das weiß ich und das sehen und sagen auch die anderen aber wenn ich dann frage ob ich evt. an die Rezi oder in den Service darf heißt es das bekommst du ja eh nicht hin . Also stehe ich immer noch da und zapfe bier und so langsam kann ich das wirklcih im schlaf. Ich arbeite 5.5 tag in der woche das ganze jahr über .. obwohl bei meinen vertagsabschluss 5.5 tage in der hauptzeit und 5 tage in der nebenzeit ausgemacht waren was kann ich dagegen tun? ich muss 8 stunden pro tag arbeiten allerdings komme ich fast nie pünktlich raus weil mitten im abendgeschäft kann man nicht einfach gehen nur weil man feierabend hat ich muss also jeden tag min 2 stunden länger bleiben. Bekomme allerdings kein geld und keine freizeit als ausgleich.Ist das gerecht dürfen meine Chefs das mit mir machen? Als meine Kollegin krank war hat man mich in meinem frei angerufen und hat gefragt ob ich arbeiten kann ...ich habe gearbeitet und mein freier tag war dahin ich habe ihn weder bezahlt noch erstetzt bekommen das geht doch nicht oder ? ich brauche schließlich auch mein Frei um mich zu erholen. Ich liebe das arbeiten in der Gastro und mir ist durchaus bewusst das man überstunden machen muss aber ich mein im mom bin ich azubi und ich finde da sollte es nicht normal sein das man jeden tag überstunden hat und dies noch nicht einmal bezahlt werden ... ich fühle mich ausgenutzt .


Re: Ausgenutzt

Liebe Sarah,

nach dem, was du da beschreibst, kann ich gut verstehen, dass deine Ausbildungssituation für dich sehr belastend ist. Es ist absolut in Ordnung und richtig, dass du dich erst einmal krank schreiben lassen hast und dich bei deinen Eltern erholst.

Natürlich müssen dir von deinem Ausbilder alle wichtigen Ausbildungsinhalte vermittelt werden Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und –rahmenpläne findest du im Netz unter: http://www.ihk-koeln.de/Navigation/AusUndWeiterbildung/Ausbildungsvertrag/Ausbildungsordnungen/index.jsp?zweigstelle=). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Schau dort zunächst mal rein und versuch einzuschätzen, wo du in deiner Ausbildung stehst und welche Inhalte dir bislang noch fehlen.

Außerdem gilt: Ausbildung kann nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter anwesend ist, der dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Der Ausbilder oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem Azubi Fragen beantworten und ihn in Arbeitsvorgänge einweisen. Er muss seine Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der Azubi darf also nicht alleine am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikanten und Ungelernten, die als Ausbilder nicht geeignet sind. Wenn du an deinem Ausbildungsplatz meistens alleine bist oder nur von Personen angeleitet wirst, die weniger Ahnung haben als du, bzw. selbst Azubis ausbilden sollst, würde ich dir folgendes raten:

1. Bitte deinen Chef um ein Gespräch und erkläre ihm ruhig und sachlich, dass du Angst hast, dein Ausbildungsziel nicht zu erreichen. Am besten nimmst du den Ausbildungsplan mit in das Gespräch. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

Sehr geehrter Herr/Frau ____________, laut § 14 Berufsbildungsgesetz müssen Sie mich entsprechend des gesetzlichen und betrieblichen Ausbildungsplans ausbilden. Ich habe jedoch wichtige berufliche Fertigkeiten noch nicht erlernt, die ich zum jetzigen Zeitpunkt meiner Ausbildung längst beherrschen müsste. Einige Beispiele: - (Berufliche Fertigkeiten) - (Berufliche Fertigkeiten) Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir die gesetzlich vorgeschriebenen Inhalte zu vermitteln und mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

Mit freundlichen Grüßen,
 Unterschrift Azubi ____________

3. Wenn auch das nicht bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:
 NGG Region Ulm-Aalen/Göppingen,
Weinhof 23,
89073 Ulm,
Tel.: 0731 / 371 31 / 2,
Fax: 0731 / 371 33, Mail:
region.ulm-aalen-goeppingen@ngg.net. Da kannst du einfach anrufen und nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

Außerdem könntest du dich an einen Ausbildungsberater der IHK wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die IHK ist dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Nun zu deinen Überstunden: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!

Wenn du Überstunden freiwillig machst, müssen sie dir selbstverständlich besonders vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden und zwar mit einem angemessenen Zuschlag (§17 Berufsbildungsgesetz). Viele Tarifverträge legen solche Mehrarbeitszuschläge fest. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn kein Tarifvertrag einen Zuschlag regelt, muss die Bezahlung bei Überstunden mit einem Zuschlag erfolgen, der sich an tariflichen Regelungen in ähnlichen Branchen orientiert. Wenn die Überstunden in Freizeit ausgeglichen werden, erhältst du einen Zeitzuschlag.

Falls du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Am besten kopierst du dir z.B. auch Schichtpläne oder Arbeitszeitnachweise. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen.

Ich wünsche dir alles Gute! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüsse,
 Dr. Azubi
 P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!