Hallo,
ich mache seit 5 Monaten eine Ausbildung zur Konditorin, bin somit seit einem Monat aus der Probezeit draußen.Die Zustände in meinem Ausbildungsbetrieb ziemlich unerträglich. Die hygienischen Bedingungen sind schrecklich. Die Backstube ist dreckig, Lebensmittelmotten und Maden, schimmlige Eimer im Kühlschrank, die Spülmaschine ist voll mit rotem Schimmel, mal ganz davon abgesehen was wir den armen Gästen vorsetzen müssen. Die Torten und Kuchen werden geschönt (strafbar, oder?)Mindesthaltbarkeitsdaten werden überschritten, Torten stehen oft eine Woche im Laden draußen, der Schimmel im Tortenguss, Vorteig oder der antipasti wird einfach abgekratzt oder untergerührt und dann wieder weiterverwendet. Aber das Schlimmste ist eigentlich wie der Chef mit uns umgeht. Unter uns Lehrlingen hat er sich zwei als "Prügelknaben" rausgepickt. Leider gehör ich hier dazu. Er gibt uns seltenst eine Anleitung, wird aber dann sauer und genervt, wenn wir bestimmte Sachen nicht können, und wenn er uns mal anleitet, dann ist diese sehr widerprüchlich. Heißt, heute möchte er es so, morgen ganz anderst, und am dritten Tag wieder anderst. Immer reagiert er mit Wut, Spott oder genervt sein, weil ich es in seinen Augen eben immer falsch mache. Aber wie soll mans denn richtig machen, wenn er es jeden Tag anderst haben möchte?! Er ist sehr launisch und seine Launen lebt er immer an dem anderen Lehrling und an mir aus. So provoziert er uns beide ständig indem er uns bloßstellt, oder uns mit absicht irgendwo reinrennt und dann auf eine Entschuldigung besteht, mir unterstellt er regelmäßig, dass ich was mit den Lieferanten hätte und meinem Mann fremdgehe.Er stellt fragen (die nichts mit dem Handwerk zu tun haben), bei denen er genau weiß, dass ich sie nicht beantworten kann, nur um mich nacher als dumm dastehen zu lassen.Fehler die er macht, sind natürlich unsere. Fühlt sich schwer nach Mobbing an.
Ich nehem jetzt den 3. Monat Baldrian und zusätzlich immer wieder mal eine Schlaftablette. Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit meinem Arzt, der mir sagte, dass mein chef schon bekannt ist für seinen Umgang mit den Mitarbeitern. Er hatte wohl schon mehrere Patienten aus dem Betrieb.Auch der Innung ist er bereits bekannt. Ich denke nicht, dass er mir einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, somit werde ich wohl außerordentlich kündigen müssen.
Jetzt folgende Probleme:
-es gibt ein paar Betriebe bei denen ich mich gern bewerben würde, weiß aber nicht, ob ich erst die Bewerbung abschick, dann mit der Handwerkskammer rede, dann mit dem Chef, oder wie die richtige Reihenfolge ist? Schwierigkeit hier, er ist auch in der Prüfungskommision.
-Ich habe auch keine Ahnung was oder wie ich in meiner Bewerbung schreiben soll, warum ich den Betrieb wechseln möchte?
-Und, was passiert überhaupt bei einer außerordentlichen Kündigung? Geht das vor Gericht? Und sind das Gründe für eine a. Kündigung?
Tut mir leid, für diesen langen Text, aber ich weiß einach nit, wie ich hier rauskomme...
Liebe Grüße
Liebe Konditorin,
mal abgesehen von den von dir genannten persönlichen Fehltritten Deines Chefs, sind natürlich die hygienischen Bedingungen unhaltbar. Wenn Du so etwas mitbekommst, solltest Du es bei der zuständigen Stelle melden.
Die Anzeige kannst Du auch anonym machen. Hier ein Kontakt:
Stadt Augsburg
Amt für Verbraucherschutz und Marktwesen
Fuggerstraße 12 a
86150 Augsburg
Tel.: 08 21/3 24-39 10 oder 08 21/3 24-39 11
Email: lebensmittelueberwachung@augsburg.de
Aber bei den sommerlichenTemperaturen momentan können den Gästen wirklich gesundheitliche Gefahren drohen!
Viele Auszubildende möchten ihre Ausbildung gerne beenden, halten es aber im Betrieb nicht mehr aus. Ein Ausbildungsplatzwechsel ist kein Beinbruch. In manchen Berufen wie zum Beispiel Koch oder Friseur wechselt fast jeder zweite Azubi einmal den Ausbildungsplatz. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel solltest du folgendermaßen vorgehen:
1. Am Anfang steht die Ausbildungsplatzsuche: Du musst einen neuen Ausbildungsbetrieb finden, der bereit ist, dich zu übernehmen. Du solltest erst kündigen, wenn du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast, denn dann stehst du bei der Bewerbung nicht unter Druck und das (noch) bestehende Ausbildungsverhältnis ist ein gutes Arbeitszeugnis und macht glaubhaft, dass nicht der Betrieb etwas an dir, sondern du etwas an dem Betrieb auszusetzen hast! Wenn du es gar nicht mehr aushältst, kannst du natürlich auch vorher kündigen, aber dann kann es zu folgendem Nachteil für dich kommen: Falls nämlich zwischen zwei Ausbildungsverhältnissen zu lange Zeit vergeht, wird dir die Zeit in der du nicht in Ausbildung warst, an deine Ausbildungszeit hinten angehängt, und du wirst eventuell erst ein halbes Jahr später zur Abschlussprüfung zugelassen.
Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.
Ausbildungsplätze ab sofort findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, www.lehrstellenmarkt.de.md oder www.ihk.de. schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis.
2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.
Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, musst du fristlos aus wichtigem grund kündigen. Für eine fristlose Kündigung gibt es keine Vorlage, weil es einiges zu beachten gilt und du dem betrieb schwere Pflichtverletzungen vorwerfen musst.
wichtige Gründe sind zum Beispiel:
- Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz
- ausbildungsfremde Tätigkeiten
- ausbleibende Ausbildungsvergütung
- überstunden, die nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden
- systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)
Eine fristlose Kündigung solltest du auf keinen Fall alleine schreiben, wenn sie wasserdicht sein soll!
3. Dann setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit...
4. Bei der Kündigung und allen möglichen Folgeproblemen (z.b. Urlaub und Restgehalt auszahlen, Arbeitszeugnis) hilft dir die NGG. Hier ein Kontakt für dich:
NGG Region Schwaben
Frölichstr. 16
86150 Augsburg
Tel.: 0821 / 15 20 88
e-mail: region.schwaben@ngg.net
Da kannst du einfach anrufen und nach deinem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
Liebe Grüße,
Dr. Azubi
P.S. bitte empfehle unseren Service weiter!