Hallo,
ich bin im 3. lehrjahr. aufgrund mangelnder ausbildungsfähigkeiten hatte ich nach 1 1/2 jahren den betrieb gewechselt.
Alles schön und gut, hätte ich mich nur vorher mal über den neuen betrieb erkundigt.
Anstelle von täglich 8h stehen 9h minimum auf meinem tagesplan und das wenn wenig zu tun ist. Wenn wir viel zu erledigen haben, werden aus den 9h schnell mal 12 bis hin zu 15h. Arbeitet man von 4.30 bis 20.00 ist es auch ganz ok wenn man den tag darauf gleich wieder 3uhr startet...
Diese ganze zehrerei lies ich so jetzt fast ein jahr über mich ergehen. Als ich jedoch meine überstunden zusammenrechnete und der wert von knapp 150h in nicht mal einem jahr mich erschlug, wollte ich mal nett nachfragen wie es denn mit abfeiern aussieht. Der blick meines chefs erstarrte... Und wurde plötzlich zu einer hasserfüllten Wutmaske. welcher lehrling traut sich sowas schrie er und schaute mir energisch ins gesicht. Ich dachte es wäre mein recht geleistete stunden auch abzufeiern meinte ich... Worauf er mich weg schickte und hinzufügte, dass er es sich überlegt...
Seit diesem moment ging es los.
Täglich werde ich denuziert und jede kleine rechtliche lücke wird ausgenutzt.
Er versuchte mir meine 8 schulstunden als 6h zu berechnen obwohl mein weg zur schule über eine stunde dauert und ich somit weit über 10h in der schule bin. Daraufhin erkundigte ich mich bei der handwerkskammer. Dort aufgeklärt wies ich meinen chef darauf hin, dass es als 8h zählt. Woraufhin er wieder aggressiv wurde und meinte ich erzähle unsinn. Er wollte das ganze dann mithilfe meiner nachweishefte nachrechnen, als ich ihm diese reichte griff er wütend zu und blätterte hastig darin herum. Als er sah dass ich meine stunden dort eintrug wurde er mehr als nur aggressiv. Er brüllte regelrecht wie ich es mir erlauben könnte dort 11 und mehr stunden einzutragen... Ich bemerkte nur dass ich die stunden doch abgeleistet habe und mir auch anrechne! Er klärte mich auf das nur 10h zu gelassen sind und das also niemand lesen darf/soll... Ich sagte ihm dass ich jedoch rechtens handle wenn ich ehrlich und wahrheitsgetreu meine stunden eintrage was ihn nur noch mehr in rage versetzte...nun soll ich ein extrabuch führen in dem ich die "illegalen" stunden aufschreibe und als strafe setzte er noch einen obendrauf. Da es gesetzlich erlaubt ist, einen azubi über 18 jahren, 10h am tag, mit einer vollen stunde pause, also 11h im betrieb zu behalten, will er mich das jetzt täglich tuen lassen. Auch wenn "wenig" zu tun ist und ich nach 9h gehen könnte will er mich jetzt da lassen und er sagte wortwörtlich "da findet sich schon arbeit die du noch tuen kannst und wenn ich danach suchen muss!"
außerdem wies er mich daraufhin, dass ich es mir selbst eingebrockt habe, dass mir zur prüfung niemand hilft und ich dass alles nach der arbeit allein machen soll. Sogar meinen kolleginnen hat er den befehl erteilt mir nichts mehr zu erklären und zu zeigen.
Was soll ich jetzt tun? Noch ein wechsel wäre sicher nicht hilfreich...
Ich hab leider auch die vermutung dass sich der zuständige der handwerkskammer und mein chef mehr als nur gut verstehen...
Lieber Anonym,
vielen Dank für deine Anfrage. Es tut mir sehr leid, dass du solche Probleme mit deinem Chef hast. Es ist absolut nicht okay wie er sich verhält.
Das hier einiges neben der cholerischen Art deines Chefs auch gegen gesetzliche Grundlagen verstößt weißt du selber. Deshalb gehe ich nur vereinzelt auf die rechtlichen Verstöße ein.
Zur Arbeitszeit:
Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird.
Du siehst, so einfach wie sich dein Chef vorstellt ist es nicht.
Zwischen dem Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn müssen auf jeden Fall elf Stunden Freizeit liegen
(§ 5 ArbZG).
Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!
Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz), volljährige durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!
Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist, und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.
Falls du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Am besten kopierst du dir z.B. auch Schichtpläne oder Arbeitszeitnachweise. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen.
Nun noch ein paar Hinweise, wie du am besten mit deinem Chef umgehen könntest:
Es es wichtig, dass du dich direkt wehrst und Grenzen aufzeigst. Versuch ruhig und sachlich zu bleiben. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest.
Wenn alles nichts hilft, solltest du vielleicht doch noch einen Ausbildungsplatzwechsel in Betracht ziehen.
Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:
NGG - Region Leipzig-Halle-Dessau
Erich-Zeigner-Allee 62
04229 Leipzig
Tel.: 0341 / 688 43 24
Fax: 0341 / 688 43 26
region.leipzig-halle-dessau@ngg.net
Da kannst du einfach anrufen, nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
Kopf hoch und viel Erfolg. Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
Liebe Grüße,
Dr. Azubi
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!