ich habe meine prüfung nicht bestanden und möchte meine ausbildung in einem anderen betrieb beenden wie lang ist meine kündigungsfrist
Liebe Jennifer,
am einfachsten wäre es, wenn du deinen Ausbildungsvertrag zum vereinbarten Zeitpunkt auslaufen lässt. Wenn dir dies zu lange dauert, hast du nur die Möglichkeit, einen Aufhebungsvertrag mit deinem Betrieb zu schließen oder aber eine außerordentliche, fristlose Kündigung einzureichen. Eine ordentliche Kündigung mit 4-Wochen-Frist kommt für dich nicht in Frage, weil du ja "nur" deinen Ausbildungsplatz wechseln und nicht deinen Beruf aufgeben möchtest.
Sobald du was neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen, sondern Azubi und Ausbilder lösen das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.
Der Aufhebungsvertrag wird zweimal angefertigt. Jedes Exemplar wird dann von Azubi und Ausbilder unterschrieben. Azubi und Ausbilder erhalten je ein Exemplar. Falls der Aufhebungsvertrag vom Betrieb aufgesetzt wird, solltest du den ganzen Vertrag gründlich lesen, vor allem das Kleingedruckte. Ein einfacher Aufhebungsvertrag sieht so aus:
Ort/Datum Aufhebungsvertrag
Zwischen ___(Name Ausbilder) und ____(Name Azubi)
Hiermit beenden die Vertragsparteien in gegenseitigem Einvernehmen das Ausbildungsverhältnis zum ________(Datum).
____________(Ort, Datum) ____________(Unterschrift Ausbilder) ____________(Unterschrift Azubi)
Falls dein Betrieb mit deinem Weggang nicht einverstanden ist, kannst du außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel: • Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz • Ausbildungsfremde Tätigkeiten • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt) • Ausbleibende Ausbildungsvergütung • Überstunden, die nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)
Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen! Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe für dich: NGG Region Dortmund, Ostwall 17-21, 44135 Dortmund, Tel.: 0231 / 557 97 90, Fax: 0231 / 55 79 79 79, Mail: region.dortmund@ngg.net, Homepage: www.ngg-dortmund.de.
Da kannst du einfach anrufen, nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit...
Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
Liebe Grüsse, Dr. Azubi
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!