Hi!
Ich hab ein kleines Problem. Seit dem ich meine Ausbildung als Konditorin angefangen habe, mache ich Überstunden (ca. 1/2 - 2 Std.), werde angeschnautzt, wenn ich krank bin. Das mein Chef das nicht so gerne sieht, wenn man krank ist, versteh ich ja. Aber er macht mich am Telefon dann so runter, dass ich danach wirklich weinend daheim sitz. Aber ich kann doch auch nichts dafür, dass ich krank werde.
Dieses Problem habe aber nicht nur ich, sondern andere Azubis in meiner Firma auch.
Die Überstunden, wo ich so ziemlich jeden Tag mach, müsste ich doch Ausbezahlt bekommen oder zumindest in Freizeit oder etwa nicht?
Leider weiß ich nicht, an wen ich mich wenden soll.
Das andere kleine Problem ist, dass ich ein zugutmütiger Mensch bin, deshalb habe ich so lange nichts gemacht.
Was mich aber bedrückt ist, dass mein Chef es nicht nur so mit mir macht sondern auch mit den anderen Lehrlingen. In meiner Ausbildungszeit habe ich schon öfters mit dem Gedanken gespielt, dass ich den Betrieb wechsle und das möchte ich den anderen Lehrlingen ersparen. Deshalb möchte ich mich jetzt einsetzen, damit diese wenigstens eine angenehmere Ausbildung haben als ich.
Ich habe zwar nur noch ein halbes Jahr bis zu meiner Gesellenprüfung, aber ich merke, dass mich so langsam meine Lust an der Arbeit verlässt. Dabei ist es mein Traumberuf!
Und nun meine Bitte an Euch. Was kann ich tun, dass es den anderen Lehrlingen besser ergeht? Bzw. das es mir auch noch bischen besser geht für das letzte halbe Jahr?
Vielen Dank schon mal im voraus!
Liebe Grüße,
Conny
Liebe Cornelia,
vielen Dank für deine Anfrage. Ich finde es stark von dir, dass du mit die anderen Auszubildenden bei dir im Betrieb denkst und du dich auch für die einsetzen möchtest. Gleichzeitig verstehe ich, dass dir der Druck und die Belastung die Freude an deiner Arbeit nimmt daher folgende Informationen für dich:
Du hast ganz Recht. Niemand kann normalerweise etwas dafür, dass er oder sie krank wird. Von daher ist es nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst. Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.
Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krank geschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.
Dann zu den Überstunden: Das mag sich jetzt dich seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest! Dein Ausbilder darf nur Überstunden von dir verlangen, wenn du an einem Tag noch dringend eine ausbildungsrelevante Tätigkeit beenden musst. Der Rest ist freiwillig.
Wenn du Überstunden freiwillig machst gilt: Minderjährige dürfen nicht mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz), volljährige durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden und zeitweise maximal 60 Stunden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird (§3 Arbeitszeitgesetz)!
Achtung: Wenn du nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb bist, und es kommt zu einem Arbeitsunfall, kannst du Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen nicht zahlt. Falls dein Betrieb sich nicht an das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.
Freiwillige Überstunden müssen dir selbstverständlich besonders vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (und zwar mit einem angemessenen Zuschlag) (§17 Berufsbildungsgesetz). Viele Tarifverträge legen solche Mehrarbeitszuschläge fest. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn kein Tarifvertrag einen Zuschlag regelt, muss die Bezahlung bei Überstunden mit einem Zuschlag erfolgen, der sich an tariflichen Regelungen in ähnlichen Branchen orientiert. Wenn die Überstunden in Freizeit ausgeglichen werden, erhältst du einen Zeitzuschlag.
Da du regelmäßig Überstunden machen musst, die dir nicht ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, schreibe sie dir genau auf und schreibe auch dazu, was du gemacht hast bzw. wo und mit wem. Am besten kopierst du dir z.B. auch Schichtpläne oder Arbeitszeitnachweise. Du kannst die Überstunden nämlich auch rückwirkend geltend machen, eventuell sogar nach dem Ende deiner Ausbildung. Bei deiner Gewerkschaft NGG kannst du erfahren, wie lange du deine Überstunden rückwirkend fordern kannst, bevor sie dir verfallen. Die Kollegen von der NGG sind auch bei allen anderen Problemen im Betrieb ein guter Ansprechpartner. Dort kannst du dich beraten lassen, wie ihr eure Ausbildungssituation als Azubis verbessern könnt. Sie können dir als Mitglied nicht nur Rechtsschutz gewähren, sondern du hast auch immer eine große Organisation im Rücken und bist nicht in Allem ganz auf dich allein gestellt. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:
NGG Augsburg
Am Katzenstadel 34
86152 Augsburg
Tel.: 0821 / 15 20 88
region.schwaben@ngg.net
Da kannst du einfach anrufen, nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
Ich wünsche dir viel Erfolg!
Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
Liebe Grüße,
Dr. Azubi
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!