Guten abend! zunächst tut es mir sehr leid das ich anonym schreiben muss, aber ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz. Ich bin kein Azubis aber schreibe in deren Interesse (sie trauen sich leider gar nicht). Ich arbeite in einen Hotel und wir haben zur Zeit 6 Azubis (Hotelfachmann und Koch), mir ist sehr stark aufgefallen das diese jedes Wochenende (Freitag, Samstag, Sonntag) immer Schichten von mehr als 12 Stunden haben und keine ausreichenden Pausen (max 15 Minuten kurz was essen, einmal!!). Bis zum nächsten Schichtbeginn haben sie meist noch nicht einmal 6 Stunden Ruhezeit. Zur Berufsschule dürfen sie nur selten gehen. Es ist ebenfalls an der Tagesordnung das die Azubis (auch wenn nur im 1ten Lehrjahr) ganze Schichten alleine im Betrieb sind. Die Überstunden werden in Freizeit vergütet die sie sich eh nicht nehmen können so hat ein Azubi schon im ersten Lehrjahr (er kam erst im Okobter letzen Jahres zu uns) schon rund 150 Überstunden angesammelt. An den Wochenenden schlafen die Azubis im Hotel und kommen gar nicht nachhause, letzte Woche musste einer von ihnen von 14:00 bis 3:30 uhr arbeiten konnte kurz schlafen gehen und musste 6:30 wieder !!alleine!! die Frühschicht bis 11:00 Uhr übernehmen und konnte erst um 14:00 wieder nachhause. Einen Betriebsrat und eine Jugendvertretung könen wir nicht wählen da bereits im Vorfeld mit fristlosen Kündigungen gedroht wurde falls wir es versuchen, wie kann ich den Azubis weiterhelfen?
Hallo,
das sind tatsächlich unmögliche Zustände, die du da beschreibst! Der Betrieb verstößt gegen einige Arbeitsgesetzte und es ist wichtig, dass die Azubis sich gemeinsam dagegen wehren. Alle wichtigen Infos zum Arbeitszeitgesetz kannst du hier nachlesen: http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/arbeitszeit.html.
Außerdem dürfen Azubis nicht alleine arbeiten. Es muss immer ein Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter da sein, den Azubis etwas fragen dürfen. Sonst kann ja keine Ausbildung stattfinden. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 Berufsbildungsgesetz (BBIG) muss der Ausbildende selbst ausbilden oder einen Ausbilder oder Ausbilderin ausdrücklich damit beauftragen. Das beinhaltet auch, dass Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter zwar nicht ständig, jedoch überwiegend im Betrieb anwesend sein muss um die Ausbildung tatsächlich überwachen und durchführen zu können.
Dass euch mit einer Kündigung gedroht wird, wenn ihr eine Jugend und Auszubildendenvertretung (JAV) oder einen Betriebsrat wählen wollt, ist kriminell. Das beweist auch, dass sich der Arbeitgeber vollkommen über seine Gesetzesverstöße im Klaren ist und jegliches Aufbäumen gegen seine Geschäftspraktiken schon im Keim ersticken will. Kein Wunder, dass die Azubis eingeschüchtert sind und sich nicht trauen, dagegen zu wehren. So eine Kündigungsandrohung ist aber natürlich völlig haltlos! Ich kann euch aus der Distanz leider nicht weiter helfen, deshalb würde ich euch dringend raten, euch an eure Gewerkschaft NGG vor Ort zu wenden und euch dort Unterstützung zu holen. Hier ist ein Kontakt für euch: NGG Düsseldorf, Wiesenstraße 70 A/1, 40549 Düsseldorf, Tel.: 0211 / 38 83 98 - 0, Fax: 0211 / 38 83 98 19, Mail: lbz.jugend-nrw@ngg.net, www.ngg-nrw.de. Da kannst du einfach anrufen und nach einem Jugendsekretär fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....
Eine andere Möglichkeit wäre, dich an die IHK zu wenden und dort um Hilfe zu bitten, denn die ist dafür da, die Ausbildungssituation in den Betrieben zu überwachen.
Bitte wehrt euch gegen all die Schikanen und lasst euch nicht einschüchtern! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!
Liebe Grüsse, Dr. Azubi
P.S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!